Fall des Monats: 7 Monate alter DSH mit intermittierender Lahmheit
Signalement und Anamnese
- Deutscher Schäferhund
- weiblich, 7 Monate alt
- intermittierende Lahmheit vorne links
Zur weiteren Abklärung wurden folgende Röntgenbilder angefertigt:

Röntgenbeschreibung
- Die regionalen Physen sind unvollständig mineralisiert, was für das Alter des Patienten normal ist
- Die Epiphysen von Radius und Ulna sind adäquat zu ihren jeweiligen Metaphysen ausgerichtet
- In der distalen Metaphyse des linken Radius und der linken Ulna zeigen sich unregelmäßige, streifenförmige Aufhellungen (Osteolysen), die parallel und unmittelbar proximal zu den distalen Wachstumsfugen verlaufen
- Die Weichteile in diesem Bereich erscheinen geringgradig geschwollen, was jedoch klinisch besser zu beurteilen ist
- Die inkludierten Karpalgelenke sind adäquat kongruent
- Es sind keine subkutanen Emphyseme oder Mineral-/Metallfremdkörper erkennbar
Diagnose
- Die radiologischen Veränderungen in der distalen Metaphyse von Radius und Ulna sind vereinbar mit einer Metaphysären Osteopathie (Hypertrophe Osteodystrophie, HOD)
- Als wichtigste Differenzialdiagnose kommt eine hämatogene Osteomyelitis in Betracht, erscheint jedoch aufgrund der symmetrischen Verteilung als weniger wahrscheinlich
Ausgang
- Unter symptomatischer Therapie mit Entzündungshemmern, Ruhigstellung und Fütterungsanpassung besserte sich der Zustand rasch
- Nach etwa zwei Wochen war der Hund nahezu lahmfrei, und eine vollständige klinische Erholung trat innerhalb von sechs Wochen ein
Diskussion
- Die hypertrophe Osteodystrophie (HOD), auch bekannt als metaphysäre Osteopathie, ist eine schmerzhafte, entzündliche Skeletterkrankung, die vor allem junge, schnell wachsende Hunde großer Rassen im Alter von 2 bis 8 Monaten betrifft. Klinisch äußert sich die Erkrankung durch Fieber, Appetitlosigkeit, ausgeprägte Lahmheiten und schmerzhafte Schwellungen im Bereich der langen Röhrenknochen, besonders am distalen Radius und der Ulna. Röntgenologisch zeigen sich charakteristische lytische Zonen in der Metaphyse knapp oberhalb der Wachstumsfuge.
- Die genaue Ursache der HOD ist bislang nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden immunologische Faktoren, eine Überversorgung mit Energie oder Kalzium sowie mögliche infektiöse Auslöser.
- Eine aktuelle Studie mit 39 betroffenen Hunden bestätigt die typischen Symptome wie Fieber, Schmerzen, Lethargie und eingeschränkte Beweglichkeit. Die Mehrheit der Tiere war männlich und im Durchschnitt 14 Wochen alt. In über zwei Dritteln der Fälle wurde eine kürzlich erfolgte Impfung dokumentiert. Die Diagnose erfolgte überwiegend durch Röntgenuntersuchung. Behandelt wurde meist mit NSAIDs oder Prednisolon. Etwa ein Drittel der Hunde erlitt Rückfälle vor dem Abschluss des Wachstums. Einige entwickelten später immunvermittelte Erkrankungen, was die Theorie unterstützt, dass HOD eine autoinflammatorische Erkrankung sein könnte. Die kurz- bis mittelfristige Prognose ist gut, allerdings können Rückfälle und immunologische Folgeerkrankungen auftreten.
Der Fall steht zur Betrachtung unter folgendem Link zur Verfügung:
https://community.veheri.com/cases/1649559942 (via "open review mode")
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Wir danken Dr. DECVDI Thorsten Rick für diesen spannenden Fallbericht
DiploVets - together we care
Robertson, A.L., Black, V.L., Villedieu, E., Clarke, K.E., Faux, I., Major, A. and Adamantos, S. (2023), Presenting signs and clinical outcome in dogs with metaphyseal osteopathy: 39 cases (2009–2018). J Small Anim Pract, 64: 35-42. doi.org/10.1111/jsap.13554